Mülheim/Ruhr (cde) In den vergangenen Jahren kamen immer weniger Asylbewerber nach Deutschland. Waren es 1997 noch rund 320.000 und in 2003 etwa 128.000, waren es im ersten Halbjahr dieses Jahres nur noch rund 11.000. „Es sind zwar weniger Menschen geworden, deren Probleme sind aber gleich geblieben“, weiß Farfida Hamza. Die Diplom-Sozialarbeiterin leitet gemeinsam mit Sandra Hüstermann die „Flüchtlingsberatungsstelle“ und „Integrationsagentur“ der Caritas-Sozialdienste in Mülheim/Ruhr.
Die beiden beraten dabei längst nicht nur Asylbewerber. „Zu uns kommen vor allem Flüchtlinge“, so Farfida Hamza. Und dass in erster Linie mit ganz alltäglichen Problemen. „Viele brauchen Hilfe im Umgang mit den Behörden, zum Beispiel bei Aufenthaltsgenehmigungen oder Sozialleistungen“.
Neben vielen so genannten „Einmal-Kontakten“, also einmaligen Beratungsgesprächen, betreuen die Caritas-Mitarbeiterinnen aktuell 36 Familien regelmäßig. Für einige von ihnen ist der Weg in die Beratungsstelle kurz, denn die befindet sich im Erdgeschoss des Asylbewerberheims in der Vereinsstraße, einem von fünf in Mülheim.
Einen wichtigen und stark nachgefragten Teil ihrer Arbeit sieht Sandra Hüstermann in dem Angebot an Sprachkursen. Diese seien zwar nicht als Pflichtkurse anerkannt, dafür aber für die Teilnehmer umsonst. „Viele Migranten machen bei uns ihren Einstieg in die deutsche Sprache“, weiß Hüstermann. Die Kurse sind ausgebucht bis überlaufen. „Es sind vor allem Frauen, die hier lernen wollen“, so Farfida Hamza. Und die werden auch vornehmlich von Frauen unterrichtet. Aktuell sind es vier ehrenamtliche Helferinnen, die jeweils einmal in der Woche vormittags die 20- bis 30-köpfigen Sprachkurse leiten. Die einzige Vorbedingung für dieses Engagement ist „viel Geduld und Enthusiasmus“, erklärt Sandra Hüstermann. Und auch unter Platzangst sollte niemand leiden, denn das Training findet in einem rund 25 Quadratmeter großen Raum statt, an dessen Wand eine Schultafel angebracht ist.
„Unsere Wartelisten dafür sind lang“, berichten die Caritas-Mitarbeiterinnen, die nicht müde werden, den ehrenamtlichen Kursleiterinnen für ihre Arbeit zu danken. „Dieses bürgerschaftliche Engagement ist neben der interkulturellen Öffnung, also dem Aufeinanderzugehen unterschiedlicher Kulturen, unser Hauptziel“, erklärt Farfida Hamza.
Und das fängt auch bei der Caritas im Kleinen an. „Unsere Mitarbeiter werden geschult, um Migranten entsprechend ihres kulturellen Hintergrunds betreuen zu können“, erklärt Martina Pattberg, Leiterin des Caritas-Fachdienstes „Kinder, Jugend und Familie“. Soll heißen: In Beratungsgesprächen zum Beispiel mit muslimischen Familien wird darauf geachtet, die dort oft vorherrschende Rollenverteilung der Geschlechter einzubeziehen. Wichtig für Martina Pattberg, denn nicht selten ist der Übergang von der Flüchtlingsberatung in ihren Fachbereich fließend.
„Wenn wir etwa einen männlichen Sprachlehrer hätten, wäre dessen Kurs bestimmt nicht voll“, glaubt Sandra Hüstermann. Ähnlich sieht es auch beim Angebot der Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung für Migrantenkinder aus. Auch das ist gut besucht. „In Mülheim wird sehr viel für Integration getan, aber auch bei sinkenden Flüchtlingszahlen darf diese Aufgabe nicht vernachlässigt werden“, so Farfida Hamza.
Die „Flüchtlingsberatungsstelle“ und die „Integrationsagentur“ der Caritas-Sozialdienste, Vereinsstraße 11, brauchen noch ehrenamtliche Helfer für verschiedenste Tätigkeitsfelder. Außerdem werden Sponsoren gesucht, die die dringend notwendige Aufarbeitung des Gartens und der Spielfläche für die Kinder übernehmen wollen.
Interessenten können sich melden bei
Sandra Hüstermann
Tel.: 0208-30 00 8-42, oder
Farfida Hamza
Tel.: 0208-44 83 48
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