(Pressemeldung des DRK Landesverband Nordrhein e.V.)
Das Forum für Taucher, Notärzte und Mitarbeiter im Rettungsdienst hat auch in diesem Jahr wieder neue Forschungsergebnisse der Notfallmedizin und einsatztaktische Erfahrungen der Wasserrettung vorgestellt und diskutiert. Mit seinen namhaften Referenten und aktuellen Themen hat das Symposium bundesweit einen guten Ruf.
Mit dem Film „Mann über Bord“ des Regisseurs Dirk Gion begann das 12. Bonner Tauchersymposium am 11. Februar und zeigte, wie wichtig das interdisziplinäre Zusammenspiel von Wasserrettung und Notfallmedizin ist. Rund 300 Ärzte, Rettungsdienstmitarbeiter und Einsatzkräfte von DRK, DLRG, Feuerwehr, THW, ASB, Marine sowie Tauchlehrer und Sporttaucher nahmen an der Fortbildung teil. Sie waren auf Einladung der DRK-Wasserwacht des Kreisverbands Bonn ins Biomedizinische Institut der Universitätsklinik auf den Venusberg gekommen, um sich über aktuelle Erkenntnisse und Methoden der Wasserrettung, des Rettungsdienstes und Tauchsports zu informieren.
Mit seinen namhaften Referenten und durch die Vernetzung von Wissenschaft und Forschung, Theorie und Praxis hat sich das Symposium bundesweit zur Nr. 1 im Bereich der Wasserrettung sowie Tauch- und Notfallmedizin entwickelt. Dies wurde auch mit der Übernahme der Schirmherrschaft durch NRW-Innenminister Ralf Jäger gewürdigt.
„Die aktuellen Ereignisse wie das Schiffsunglück vor der Insel Giglio in Italien und der Kälteeinbruch in Deutschland verweisen auf die Notwendigkeit, Themen wie Wasserunfall und Tauchermedizin in der Ausbildung für unsere Helferinnen und Helfer aufzugreifen“, sagte Dr. Dr. Gerhard Steiner vom DRK-Landesverband Nordrhein. Auch der ärztliche Leiter des Bonner Tauchersymposiums, Dr. Stefan Schröder, sagte, dass gut ausgebildete Notärzte und Rettungsdienstler gebraucht werden: „Die Wasserunfälle in Badeseen nehmen zu, weil nicht alle Seen in Deutschland bewacht werden und immer weniger Menschen Schwimmen lernen, da Schwimmbäder schließen.“
Das diesjährige Symposium widmete sich insbesondere Themen zur Männergesundheit bei Tauchern. Sporttauchen mit Druckluftgeräten hat in den letzten Jahrzehnten rasant zugenommen. In Deutschland wird die Zahl aktiver Sporttaucher auf 1,5 Millionen geschätzt. Dabei überwiegt der Anteil an tauchenden Männern mit rund zwei Drittel.
Auf die Frage „Tauchen im Alter – wo ist die Altersgrenze?“ gibt es keine eindeutige Antwort. Der Großteil der Taucher hört um das 50. Lebensjahr mit diesem Sport auf. Aktive Taucher über 60 Jahre sind relativ selten und meistens Semiprofis. Körperliche Leistungsfähigkeit, Taucherfahrungen, wie und wo getaucht wird, spielen eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, den Sport weiter auszuüben. „Wichtig ist, dass der Taucher mit zunehmendem Lebensalter seine Gesundheit nicht nur pflegt, sondern sie auch sachgerecht von einem erfahrenen Taucherarzt regelmäßig überprüfen lässt“, empfiehlt Dr. Andreas Koch?vom Schifffahrtsmedizinischen Institut der Marine, Kiel Kronshagen.
„Erhöhtes Risiko beim Tauchen mit Übergewicht?“ war eine weitere Frage, mit der sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums beschäftigten. Bei einem Body-Mass-Index ab 30 fällt das Atmen schwerer und weniger Sauerstoff gelangt ins Blut. Das hat Auswirkungen auf das Tauchen. Untersuchungen zeigen, dass Übergewicht bei drei Viertel aller Todesfälle beim Tauchen eine Rolle spielt. Die bei Tauchgängen entstehenden Gasblasen im Blut können bei Übergewichtigen verstärkt auftreten und gefährlich werden, da die Gasaustauschfläche geringer ist.
In seinem unterhaltsamen Vortrag über die Verträglichkeiten von Tauchen und Potenzmitteln wies Dr. Stefan Hauser von der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Universitätsklinikum Bonn, auf mögliche Nebenwirkungen hin, die die Tauchtauglichkeit beeinflussen können. Kurz vor dem Tauchgang sollten Viagra oder ähnliche Medikamente nicht eingenommen werden. Und der Tauchpartner sollte Bescheid wissen.
Nicht nur bei Schnee-, Seenot-, Ertrinkungs- und Tauchunfällen spielt die Unterkühlung als therapieerschwerendes Begleitphänomen eine wichtige Rolle, sondern auch in der täglichen Rettungsdienstpraxis, insbesondere bei Traumapatienten, alkoholisierten Personen und älteren Patienten. Welche Maßnahmen während der Rettung des Patienten eingeleitet werden sollten, war eines der notfallmedizinischen Aspekte auf dem Symposium. Auch die Belastung im Rettungseinsatz war Thema.
Extremfilmer berichtet aus dem Innern eines Schiffswracks
Letztendlich wird es immer auf die Rettung von außen ankommen. Dies präsentierte Filmregisseur Dirk Geon eindrucksvoll in seinem Selbstversuch „Überleben in einer Luftblase unter Wasser“. Das Experiment in der ehemaligen Fregatte "Köln" in Neustadt/Holstein, erzählt er, habe gezeigt, dass die Luftblase nicht lange reicht, nicht weil der Sauerstoffgehalt abnimmt, der durchs Atmen verbraucht wird, sondern weil die von Kohlenstoffdioxid (CO2) zunimmt, die sich durch jedes Ausatmen noch vergrößert. Der eingeschlossene Mensch müsse alle sich bietenden Möglichkeiten nutzen, den Kopf so weit wie möglich über die Wasseroberfläche zu bringen, da die CO2-Konzentration direkt über dem Wasser am höchsten ist.
Workshops vermitteln Techniken und stellen Verfahren vor
Mit Workshops schloss die ganztägige Veranstaltung ab. Zum Thema "Atemwegsmanagement" wurden verschiedene Verfahren zur Sicherung der Atemwege eines Patienten vorgestellt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten an Puppen üben, einen Tubus zu legen oder den Notfall-Luftröhrenschnitt auszuführen. Weitere Workshops boten praktische Anleitungen, wie Verunglückte mit möglichen Verletzungen an der Wirbelsäule oder Halswirbelsäule nach dem Kentern eines Bootes immobilisiert werden und welche Untersuchungen nach einem Wasserunfall vorgenommen werden müssen.
Großen Zulauf verzeichnete der Workshop „Intraossäre Zugänge“. Wenn es nicht möglich ist, einem Patienten in einer Notfallsituation einen Venenkatheter zu legen, um Elektrolytlösung und Medikamente zu spritzen, wird ein intraossärer Zugang gelegt: Eine Nadel mit einer Stahlkanüle, wird manuell oder elektrisch in den Knochen gebohrt. Die Gruppe übte die Verfahren an den Knochen von Hähnchenschenkeln.
Das Bonner Tauchersymposium stand unter der Leitung des DRK-Arztes und Dürener Chefarztes für Anästhesie, Privatdozent Dr. Stefan Schröder. Das Symposium wurde, wie in den vergangenen Jahren auch, ehrenamtlich organisiert. Nur so konnten die Tagungsgebühren von 40 bzw. 50 Euro bei Voranmeldung gehalten werden.
Text: Barbara Dreifert, DRK Bonn
Weitere Informationen Informationen: www.bonner-tauchersymposium.de
Posted: 2012-02-15 09:00:00
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